Uhrmacherbedarf

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Uhren und Uhrmacherbedarf


Zenith Georges Favre-Jacot ist erst zweiundzwanzig Jahre alt, als er 1865 die "Fabrique des Billodes" gründet, die nicht weniger als 574 Beschäftigte zählt und später unter dem Namen Zenith weltberühmt werden wird. Er ist ein Präzisionsfanatiker und überzeugter Verfechter der Theorie, dass in der Rationalisierung von Arbeitsprozessen und Austauschbarkeit der Uhrenkomponenten die Zukunft der Uhrenindustrie liege. Diese moderne Denkweise hängt sehr wahrscheinlich mit seiner Herkunft zusammen. Wie Daniel Jean Richard, einer der Urväter der Schweizer Uhrenindustrie, stammt er aus dem Kanton Neuchatel. Seit 1705 gilt das Atelier dieses in La Sagne geborenen Maitre Horloger als ein Vorbild an perfekter Betriebsorganisation. Und das in einem Landstrich, in dem fast ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung in der Uhrenbranche tätig ist. Von den 683 im Jahre 1760 bekannten Uhrmachern arbeiten 300 in Le Locle und 285 in La Chaux-de­Fonds. Ein Jahrhundert später beträgt die Zahl der Uhrmachermeister in Le Locle 3050 und in La Chaux-de­Fonds 3570.

Das Le Locle des 18. Jahrhunderts ist keinesfalls ein wenig bevölkertes, trostloses Bergdorf, wie man vielleicht annehmen könnte. Der Kanton Neuchatel, in dem das Dorf liegt, ist Fürstentum des Königs von Preußen, ein Status, der sich positiv auf die ganze Region auswirkt. Besonders in Le Locle floriert die Produktion von "Pendeluhren neuchateloises" in bemalten und mit Dukatengold dekorierten Holzgehäusen. Zur Zeit Napoleons geraten diese traditionsreichen Uhren aber immer mehr in Vergessenheit. Erst durch James Favre, dem Neffen des Gründers von Zenith, kommt es zu einer Wiederbelebung der alten Traditionen, zu denen zweifellos die "neuchäteloises" gehören. Die neuen Pendeluhren sind mit 8-Tage-Zenith­ Läutwerk ausgestattet und verfügen auf Wunsch auch über eine Viertelstundenrepetition.

Ende des 19. Jahrhunderts erlebt die Uhrmacherkunst aus Le Locle eine Sternstunde, und die Uhren von Georges Favre-Jacot machen da keine Ausnahme. Für einen kurzen Zeitraum erscheint auf den Zifferblättern der Name des Firmengründers, der jedoch bald durch den Schriftzug Zenith ersetzt wird, einem Signet voll symbolischer Kraft.

Im Jahre 1906 realisiert die Manufaktur eine wundervolle Taschenuhr mit der Bezeichnung "Stile Breguet". Dieses Modell wird dem Publikum in den Achtziger Jahren als Replika erneut vorgestellt. Der Gehäuseboden dieser Taschenuhr ist der Tradition entsprechend mit dem guillochierten Signet der Manufaktur versehen. Es handelt sich dabei um einen Chronometer aus der gleichen Produktionsserie, für die die Manufaktur im Laufe der Jahre von verschiedenen Observatorien über 1500 Auszeichnungen erhalten hat. Aus dieser Produktion stammen nicht nur Taschen- und Armbanduhren, sondern auch die berühmten Marinechronometer. Im Mai des Jahres 1929 teilt das astronomische Observatorium in England der Öffentlichkeit mit, dass von 19.835 aus der ganzen Welt stammenden Uhren eine Zenith mit einer Tagesabweichung von 0,6 Sekunden einen neuen Rekord aufgestellt hat. Vierzig Jahre später, im Jahr 1967, stellt bei einem Wettbewerb des Observatoriums von Neuchatel das in einem Marinechronometer eingesetzte Zenith - Werk, Kaliber 5011, in der Kategorie der Armbandchronometer mit Spiral- Unruh einen weiteren Rekord auf Anfang des Jahrhunderts produziert Zenith unter anderem auch wunderschöne Taschenuhren mit Komplikationen.

Im Jahr 1911 vergrößert man die Manufaktur und gründet eine Aktiengesellschaft, deren Name nun "Fabrique des Montres Zenit" lautet. Die Uhren des Hauses finden immer mehr Anerkennung, und man exportiert, dank seines hervorragenden Rufes für die Produktion zuverlässiger und präziser Uhren, komplette Kollektionen in die ganze Welt. Den Richtlinien von Georges Favre-Jacot folgend setzt man bei Zenith auf immer ausgeklügeltere Rationalisierungsmaßnahmen und immer modernere Technologien, ohne jedoch zu vergessen, das der Mensch und ganz besonders der Maitre Horloger im Mittelpunkt des Unternehmensinteresses stehen.

Die Entwicklung des automatischen Chronographen El Primero beginnt bereits im Jahr 1967. Vorgestellt wird diese Uhr jedoch erst 1969. Es ist das erste automatische Chronographenwerk der Welt mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde. In der Regel schwingt die Unruh mit einer Frequenz von 5 Halbschwingungen pro Sekunde, d.h. mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde. Unter Schwingung versteht man die Bewegung einer Schwingmasse von einem Punkt zum anderen, d.h. genauer zwischen zwei Amplituden. In den sechziger Jahren gelingt es den Technikern von Zenith erstmals, die Frequenz der Schwingungen zu verdoppeln. Dieses noch heute unübertroffene Resultat hat viele große Uhrenmanufakturen dazu gebracht, ihre Chronographen mit diesem einzigartigen Werk auszustatten.

Das erste Modell mit der unverwechselbaren Datumsanzeige bei der 4-Uhr-Indikation (viele Manufakturen verzichten jedoch auf die Datumsanzeige, um die Herkunft des Werkes zu verschweigen) wird von weiteren Modellen gefolgt, wie z.B. der Version mit Tages-, Monats- und Mondphasenanzeige. Um die Verschleißerscheinungen infolge der hohen Frequenz zu mindern, entwickeln die Techniker von Zenith einen besonderen Trockenschmierstoff auf der Basis von Molybdänbisulfur. Das Hemmungsrad hat 21 statt der traditionellen 15 Zähne. Die Schwingmasse aus Wolframkarbid registriert auch die kleinsten, sonst nicht wahrnehmbaren Armbewegungen. Die Gangreserve geht über fünfzig Stunden-, die Schwingmasse ist mit dem Firmenlogo versehen. Das El-Primero- Werk besitzt einen Durchmesser von 30 mm und eine Höhe von 6,5 mm. Es ist das einzige Chronographen-Werk, das eine Kurzzeitmessung von 1/10 Sekunde erlaubt.

Nach zwanzig Jahren läst Zenith einige Modifikationen in das El-Primero- Werk einfließen, die seine Leistung steigern und den Verschleiß einiger Einzelteile mindern sollen. Aufzug des Chronographen sowie Betätigung der Chronographenfunktionen, z.B. Nullstellung, werden wesentlich vereinfacht. Es sind nur kleine, jedoch überaus wichtige Maßnahmen, die dazu beitragen, aus diesem Werk ein Referenz-Werk der Armband- Chronographie werden zu lassen. Eines der allerersten Exemplare ist im Museum Chäteau des Monts in Le Locle zu bewundern, wo auch ein anderes, sehr viel älteres automatisches Werk von Abraham­Louis Perrelet aufbewahrt wird. Perrelet, der 1729 geboren wird und in seiner Schaffensphase ein geniales automatisches Aufzugssystem für Taschenuhren erfindet, beschäftigt sich als Erster mit dem Prinzip des Rotors; ein Prinzip, das im 20. Jahrhundert schließlich perfektioniert wird.

Im Jahr 1990 präsentiert Zenith zum 125. Jubiläum der Firmengründung eine Kollektion, die aus vier Modellen besteht: drei mechanischen Uhren mit Handaufzug und einem Chronographen. Alle Modelle verfügen über ein COSC-Chronometer-Zertifikat. Die Auflage für die mechanischen Modelle beträgt 300 Exemplare, während die Chronographen in einer Auflage von 500 Exemplaren erscheinen. Die Nummeration ist sowohl auf dem Zifferblatt als auch dem Gehäuseboden zusammen mit dem Zenith-Wappen zu sehen. Der Chronograph ist mit einem 13 linigen EI-Primero- Werk 400 ausgestattet, während die mechanischen Modelle über ein rundes 11 liniges Zenith-Kaliber mit 17 Steinen verfügen, das zudem eine kleine Sekunde besitzt. Alle Modelle sind mit Emailzifferblättern und verschiedenen Indikationen erhältlich.

1991 zeigt Zenith auf der Baseler Uhrenmesse zwei besonders wertvolle Kollektionen zum 700. Jahrestag der Confoederatio Helvetia. Beide Serien bieten in limitierter und nummerierter Auflage Chronographen- Chronometer- Modelle an. Es handelt sich um die Kaliber 400 bzw. 410. Das Kaliber 410 besteht aus 354 Einzelteilen, wovon allein 277 untereinander nicht austauschbar sind. Auf dem Zifferblatt dieses Modells ist das komplette Kalendarium zu sehen, und am äußeren Rand der Mondphasenanzeige bei der 6 erscheint die 12-Stunden-Einteilung für die Chronographie. Das Zifferblatt des Kalibers 400 zeigt dagegen nur das Datum an. Beide Gehäu­seböden weisen eine Seriennumerie­rung auf, die sich für das Kaliber 410 auf 250 und für das Kaliber 400 auf 900 Exemplare beläuft. Der Boden trägt zudem eine Inschrift zum 700. Jubiläum sowie eine Karte der Schweiz mit Schweizer Wappen.

Die Geschichte dieser bedeutenden Manufaktur beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Produktion des Chronographen El Primero. Als man ihn der Offentlichkeit vorstellt, befindet sich Zenith in einer Wachsturnsphase. Andere Manufakturen wie beispielsweise Mondia und Movado werden in das Unternehmen aufgenommen. Im Jahr 1969 entsteht aus dieser Fusion die Holding-Gesellschaft "Mondia-Zenith-Movado". Zwei Jahre später erwirbt die Zenith Radio Corporation aus Chicago, Amerikas größter Konzern elektronischer Komponenten, die Aktienmehrheit des Unternehmens aus Le Locle. Die Zusammenarbeit zwischen Europa ad Amerika bringt jedoch nicht den erhofften Erfolg, auch wenn aus dieser Kooperation die Zenith Quarz entsteht. Sie gilt als eine der ersten Quarzuhren mit analoger Anzeige für Stunden und Minuten sowie digitaler Anzeige für Datum und Sekunden. Im Jahr 1978 kehrt das Unternehmen in den Besitz der Schweizer Unternehmergruppe Dixi aus Le Locle zurück, die Inhaber von mehreren Unternehmen zur Herstellung von Präzisionsgeräten ist.

Für den professionellen Einsatz entwickelt Zenith eine Taucheruhr, die bis zu einem Druck von 100 Atmosphären wasserdicht ist. In der Kollektion Defy, die bis zu 10 Atmosphären wasserdicht ist, sind mechanische sowie Quarzmodelle vertreten. Jedes Jahr werden von Zenith mehrere Kollektionen präsentiert, u.a. die Linien Academy, Port Royal, Royal Museum, Pacific, Silhouette und Cosmopolitan Espada. 1992 wird in Basel neben der El Primero mit klassischem Gehäuse die Rainbow- Kollektion mit aggressiver Optik vorgestellt, benannt nach dem amerikanischen Segelschiff, das 1934 in Newport den America's Cup gegen die Endeavour verteidigen kann. Auf dem Gehäuseboden der Rainbow-Modelle ist das elegante Profil dieses Schiffes zu sehen, das 39,20 m lang ist und von dem Architekten Burgess entworfen wurde. Zur Rainbow­ Kollektion gehören ebenfalls ein Automatic-Chronograph und ein Plongeur, wasserdicht bis 200 m.

Die Räumlichkeiten der alten Manufaktur sind zwar durch ein, moderneres Gebäude ersetzt worden, aber damals wie heute befinden sich Verwaltung, Verkauf und Entwicklung direkt nebeneinander. Am Eingang des Gebäudes erinnert eine Gedenktafel an Georges Favre-Jacot, der auf eigenen Wunsch hin dort begraben liegt, quasi als Zeuge dafür, dass zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft keine Grenzen existieren.