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Vacheron & Constantin von Uhrmacher


In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist Genf anerkannte Hauptstadt der Uhrmacherkunst. Von den dort ansässigen 4000 Uhrmachern sind 800 Maitres Horlogers. Diese ,cabinotiers', wie man sie auf Grund ihrer oftmals winzigen Werkstätten (cabines) auch nennt, verbinden handwerkliches Geschick und Fantasie, technische und wissenschaftliche Kenntnisse zu einem harmonischen ganzen, wo Kunst und Handwerk zu einer nicht mehr trennbaren Einheit verschmelzen.

In diesen Schmelztiegel begibt sich im Jahre 1755 auch Jean Marc Vacheron, als er sich entschließt, im Stadtteil Saint Gervais ein eigenes Atelier zu eröffnen. Mit einem Lehrling zusammen fertigt er Taschenuhren von überragender Finesse. Aus dieser Zeit ist ein von ihm signiertes Exemplar erhalten geblieben, dessen Werk eine Stabhemmung und eine gravierte Unruh - Brücke aufweist.

In seinem Atelier gehen Adel, Klerus und Kaufleute ein und aus. Die französische Revolution setzt den Exportgeschäften jedoch ein jähes Ende und 1785 sieht sich Jean Mares Sohn Abraham mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Er heiratet und hängt seinem Namen der Tradition entsprechend den Nachnamen seiner Ehefrau an. Die Manufaktur heißt nun "Vacheron - Girod". Ein seltenes Zeugnis dieser Firmenbezeichnung ist eine überlieferte Uhr mit der Herstellungsnummer 3498.

Anfang des 19. Jahrhunderts übernimmt Abrahams Sohn Jacques - Bartholomy die Leitung des Betriebes, der mittlerweile den Namen "Vacheron - Chossat" führt. In einem Brief an seinen Vater klagt Jacques Bartholomy darüber, dass sich noch nie so viele Betriebe in solch einer existentiellen Notlage befunden hätten und dass viele von ihnen schließen würden.

1814 bessert sich die wirtschaftliche Lage, und die Märkte in Italien, Frankreich und Deutschland beginnen, sich wieder zu öffnen. Auf seinen jährlichen Geschäftsreisen präsentiert Jacques - Bartholomy in diesen Ländern seine Kollektion aus Taschenuhren, Spieluhren, Minutenrepetitionen und für diese Zeit sehr flachen Werken, eingesetzt in kostbaren und eleganten Gehäusen.

Diese Reisen sind zwar unerlässlich, aber auf Dauer sehr anstrengend, so dass Jacques - Bartholomy 1819 den Sohn eines befreundeten Stoffhändlers in den Betrieb holt, dessen Bezeichnung nun "Vacheron & Constantin" lautet.

Francois Constantin sammelt als Verkäufer für J.F. Bautte seine ersten Erfahrungen in der Uhrenbranche, die er nun mit in die Firma bringt, wo er hauptsächlich für den Verkauf zuständig ist. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, die er mit einer starken Egozentrik nach außen trägt, rufen viele Neider hervor. Er lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und reist weiterhin in seiner Kutsche umher, und der Koffer, den er mit sich führt, ist ein wahrer Tresor.

Vater Abraham Vacheron ist vornehmlich für die Qualität der Produktion zuständig, während Jacques Bartholomy für die Werkstatt verantwortlich ist. Francois aber ist als Verkäufer unterwegs und verkauft, als ginge es um sein Leben. Er hat immer die richtige Uhr im richtigen Augenblick parat und oft geht er mit seinen Kunden auf Tauschgeschäfte ein.

So auch einmal in Livorno, als ein nicht so liquider Käufer ihm für seine Uhren als Bezahlung Weinfässer anbietet. Er lässt die Fässer nach Genf transportieren und schlägt seinem Partner vor, den Wein in Flaschen zu füllen, eine Anzeige im Feuille d'Avis' aufzugeben und die Weinflaschen natürlich zu einem höheren, für die Qualität des Weines aber günstigen Preis zu verkaufen und soviel Gewinn wie möglich herauszuschlagen".

Bereits 1830 werden Uhren von Vacheron & Constantin in New York von Jean Magnin und in New Orleans von Brey verkauft; ab 1864 verfügt das Haus in Amerika sogar über einen eigenen Agenten. Im gleichen Jahr stellt die Manufaktur ebenfalls preisgünstigere, nicht ganz so hochwertige Uhren her, unter denen sich neben den normalen Exemplaren mit dem Warenzeichen "Abm. Vacheron Geneve" oder "Chossat & Cie" auch erstklassige Exemplare befinden, die die Signatur Abraham Vacherons tragen.

1839 entwickelt sich die Manufaktur zu einem industriellen Unternehmen. Die Aufträge erreichen solche Ausmaße, dass die Produktion der Nachfrage nicht nachkommen kann. Jacques Barthlomy wendet sich an Georges Auguste Leschot, einem genialen Erfinder von Maschinen zur Herstellung von Uhreneinzelteilen. Dieser ist davon überzeugt, dass in der Austauschbarkeit von Komponenten ein ungeheures Produktionspotential liegt. Leschot wird technischer Leiter der Manufaktur und Vacheron & Constantin verpflichtet sich, die von ihm entworfenen Maschinen zu bauen und zu bezahlen. In einem Brief schreibt Vacheron: Unsere Qualitätsuhren werden bald wenig mehr als gewöhnliche Uhren kosten.

1841 entwickelt man eine Fräse, die kleine Einzelteile originalgetreu reproduziert, eine Bohrmaschine, die die eingestellten Maße einhält sowie weitere Vorrichtungen zur Bearbeitung von Brücken, Platinen und Rädern. "Manufacture" wandelt sich in der Firmenphilosophie zu einem edlen Qualitätsbegriff.

1860 produziert man bereits alle Einzelteile im eigenen Betrieb. Selbst die gestandenen Uhrmachermeister, die der maschinellen Produktionsweise ablehnend gegenübergestanden hatten, begrüßen die dadurch für Feinarbeiten gewonnene Zeit.

Nach dem Tod von Abraham Vacheron im Jahr 1843 wechselt die Manufaktur ihren Firmensitz in die Tour d'Ile im Zentrum der Stadt, wo die Rhone in den Genfer See mündet. Cesar, der Sohn von Jacques Bartholomy, übernimmt die Leitung des Betriebes.

1845 wird Leschot und der Manufaktur von der "Genfer Societe des Arts" die begehrte Auszeichnung "Auguste de la Rive" verliehen. Die Qualität der Uhren aus dem Hause Vacheron & Constantin ist somit offiziell anerkannt und wird auch zukünftig nicht mehr angezweifelt. Die Manufaktur verkauft ihre immer bekannter werdenden Werke ebenfalls an andere Uhrenhersteller, die sie aufgrund der geringen Höhe der Kaliber sehr schätzen.

1854 stirbt Francois Constantin, dessen Platz von seinem Neffen Jean Franois eingenommen wird. Man erlebt einen Erfolg nach dem anderen und es sind oftmals gekrönte Häupter, die eine Vacheron & Constantin ihr eigen nennen. So lässt Napoleon III einige als Geschenk gedachte Exemplare mit seinem Konterfei anfertigen, und 1865 erwirbt sogar der Kaiser von China eine kostbare Taschenuhr. Zu dieser Zeit experimentiert man, jedoch ohne Erfolg, mit dem Kronenaufzug. Immer auf der Suche nach der höchstmöglichen Qualität, versucht die Manufaktur 1864 durch eine Ausschreibung einen Lieferanten für hochwertige Ebauche - Kaliber ausfindig zu machen.

Aus nicht bekannten Gründen entschließt sich Jean-Francois Constantin 1867 nur noch als Verkäufer zu agieren, und so ändert man den Firmennamen um in Cesar Vacheron & Co. Zwei Jahre später stirbt Cesar, und sein Sohn Charles ändert erneut den Namen in "Charles Vacheron & Cie". Die Familie wird aber vom Pech verfolgt, und als Charles im Alter von 25 Jahren ebenfalls stirbt, ist die Mannfaktur plötzlich im Besitz zweier Witwen.

Der Skandal ist perfekt. So etwas hat man in Genf noch nicht gesehen, und böse Zungen beschwören das Ende eines dominierenden Unternehmens, das schon immer als Fremdkörper angesehen wurde. Doch die beiden Frauen erweisen sich als sehr klug. Catherine Etierinette Vacheron, die mit ihren achtzig Jahren noch überaus rüstig und geistesgegenwärtig ist, fungiert, wenn auch nicht offiziell, als Ratgeberin von Laure Vacheron Pernessin. Der Firmenname ändert sich erneut in "V.ve Cesar Vacheron & Cie".

1872 werden die Uhren vom Observatorium in Genf für ihre hohe Qualität ausgezeichnet. Die schlechten Zeiten gehören mittlerweile der Vergangenheit an, und die beiden Damen stellen Philippe-Auguste Weiss 1875 als Direktor ein. Jean-Francois Constantin kehrt in die Führungsetage der Manufaktur zurück, und der Firmenname lautet wieder "Vacheron & Constanti". Um die Veränderungen komplett zu machen, wechselt man mit dem Betrieb in die Nähe des Quai des Moulins.

1880 führt die Schweiz ein Gesetz zum Schutz der heimischen lndustrieproduktion ein, und Vacheron & Constantin lassen sich Markennamen und -logo schützen. Auf allen Produkten des Hauses erscheinen entweder die Schriftzüge Vacheron & Constantin, Fabricant, Geneve" oder "Horlogorie et boites de montres'. Als Zusatz erhalten beide das Malteserkreuz - inspiriert durch die Optik des entsprechenden Rades der Unruh als Symbol für Präzision, das jedoch später durch zwei sich überkreuzende Segmente ersetzt wird. Im Alter von 101 Jahren stirbt 1883 Catherine Etiennette, die noch ein Jahr zuvor vom Journal Suisse zur Symbolfigur der Genfer Uhrenkunst erhoben wurde. 1887 stirbt auch Laure, und das Unternehmen wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die ab 1896 nur noch "Vacheron & Constantin" heißt.

Nach über 150 Jahren Tradition in der Herstellung von wundervollen und komplizierten Taschenuhren, bringt das Unternehmen 1910 seine ersten Armbanduhren heraus. Die Taschenuhren bleiben jedoch ein wichtiger Bestandteil des Sortiments, und zwischen 1920 und 1930 fertigt Vacheron & Constantin Meisterwerke wie die Grande Complication mit Minutenrepetition, Schleppzeiger - Chronographen mit Zähler, ewigem Kalender, Mondphasenanzeige und Wecker oder den danach auf der Ausstellung in Zürich gezeigten Schleppzeiger-Chronographen mit Gangreserve, ewigem Kalender und Mondphase.

Wieder kommen schwere Jahre auf das Unternehmen zu, und 1931 beträgt die wöchentliche Arbeitszeit bei Vacheron & Constantin nur noch 18 Stunden. Die Belegschaft - stolz auf ihre Qualitätsarbeit - hält eisern zusammen, und man beginnt, sogar vollkommen artfremde Dinge zu produzieren. Selbst eine Kürzung der Löhne wird gern in Kauf genommen. 1936 entschließt sich Charles Constantin, alle maschinell hergestellten Einzelteile von Hand fein bearbeiten zu lassen.

1940 bekommt Georges Ketterer die Aktienmehrheit zugesprochen; er verstirbt 1987. Das Unternehmen das "&" ist mittlerweile aus dem Firmennamen genommen worden gelangt in fremden Besitz, doch die Firmenleitung bleibt weiterhin in Schweizer Hand und der traditionell hohe Qualitätsanspruch weiter bestehen.

Unter den Schmuckuhren, deren Wert hauptsächlich durch ihre Edelsteine bestimmt wird, zählt die Kallista zu den herausragenden Modellen. Sie wird Ende der siebziger Jahre nach 6000 Arbeitsstunden fertiggestellt und für die unglaubliche Summe von fünf Millionen Dollar an einen nicht genannten Käufer veräußert. Gehäuse und Armband werden aus dem Vollen gearbeitet; Rohstoff ist ein 1 Kilogramm schwerer Block aus Massivgold. 118 Diamanten von 1,2 bis 4 Karat werden als Besatz verwendet, und das Gesamtgewicht der Diamanten beträgt 130 Karat- alle Steine sind mit einem Smaragdschliff versehen.

Vor Beginn des zweiten Weltkrieges umfasst bei Vacherön & Constantin das Armbanduhrensortiment alle Komplikationen sowie alle Werke und oftmals auch Formwerke. Die Ästhetik von Gehäusen, Bandanstößen und Zifferblättern beginnt ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Nach dem Kriege präsentiert das Haus eins der weltweit flachsten Werke mit einer Höhe von 1,64 mm und einem Durchmesser von 20,8 mm. Für Damenuhren werden häufig auch Baguette Werke eingesetzt, die mit der Form vieler Schmuckuhren sehr gut harmonieren. Eine weitere Errungenschaft ist ein ultraflaches Automatikwerk von 2,45 mm Höhe, dessen 21karätiger Goldrotor mit Berillium-Bronze Krone in Rubin gelagert ist. In den darauffolgenden Jahren kommen die Komplikationen immer mehr in Mode, und Vacheron & Constantin entscheiden sich, eine Reedition "antiker" Modelle herauszubringen. Die Linie Malta ist als Damenuhr konzipiert und wird durch Schmuckmodelle komplettiert, die auf Bestellung angefertigt werden. Die Renaissance in den Achtziger Jahren umfasst auch die Modelle Phidias, die in ihrer Art so schön sind wie die Skulpturen des griechischen Bildhauers, deren Namen sie tragen. Noch traditioneller in seiner Linienführung ist der Chronograph 47001.

Zu den Neuheiten des Jahres 1992 gehört ohne Zweifel die Minutenrepetition, die als Replika eines Modells aus den Vierzigern über ein extraflaches Werk mit 48-Stunden-Gangreserve verfügt, der Armband - Tourbillon mit 3 Brücken -Werk und doppelter Federtrommel als Wiederauflage einer Taschenuhr aus den dreißiger bzw. vierziger Jahren oder der Automatic - Chronograph mit ewigem Kalender. Diese Uhr ist wahlweise mit einem mechanischen Werk von 1,2 mm oder einem automatischen Werk von 2 mm Höhe ausgestattet